1804 Ruskovitch Idaho

Emily Ruskovich: Idaho,
ISBN: 978-3-446-25853-2,
Hanser Berlin, 24 Euro.

Der wie ein Mosaik geschriebene Roman erzählt die tragische Geschichte von Wade und Jennifer. Ein junges Paar, das sich am Anfang ihrer Ehe ein gemeinsames Leben in einem einsamen Haus auf einem Berg in Idaho erträumt.
An einem warmen Sommertag jedoch wird die Idylle zerstört, als die beiden durch einen Mord im Affekt ihre Tochter May verlieren. Die ältere Tochter June, die die Tat mit ansehen musste, verschwindet daraufhin spurlos.
Jennifer, die ihre Tochter May erschlagen hat, wird Jahre im Gefängnis verbringen. Dort wird eine Mitgefangene die Freundschaft mit ihr suchen.
Ann, die ehemalige Klavierlehrerin und zweite Frau von Wade, versucht während ihres gemeinsamen Lebens im Wettlauf mit Wades beginnender Frühdemenz, das Rätsel der tragischen Tat zu entwirren.
In mehreren Zeitebenen erzählt die Autorin von Wades und Jennifers Jugend, ihren Mitgefangenen im Gefängnis, Anns Leben als junge Lehrerin und von den Töchtern May und June.
Interessantes Debut, fesselnd und kompakt erzählt, mit einer psychologischen Tiefe.

Dieser Buchtipp stammt von Uta Birken aus der Buchhandlung Ida v. Behr, Im Alten Dorfe 31, 22359 Volksdorf,
Tel.: 040 / 603 12 86, Fax: 040 / 603 83 43, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.buecher-behr.com

1803 stellt euch vor

Adam Haslett: Stellt Euch vor, ich bin fort,
ISBN: 978-3-498-03028-5,
Rowohlt Verlag, 462 Seiten, 22,95 Euro.

Der Roman von Adam Haslett ist kein typischer Familienroman, obwohl der Leser die Familie von Anfang an begleitet. Die Amerikanerin Magret begegnet John in England während eines Auslandsjahres. Schnell wird klar, dass aus der Verliebtheit der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben entsteht. Kurz vor der Eheschließung ereilt John eine ernsthafte depressive Phase seiner bipolaren Erkrankung. Trotzdem entscheidet sich Margret zur Ehe mit John. Sie bekommen drei Kinder Michael, Claire und Alec die mit den Eltern mal in England und auch in Amerika aufwachsen, je nach dem Arbeitsort des Vaters. Diese 5 Menschen erleben auf unterschiedliche Weise einen Alltag, der bestimmt wird von dem Wissen um das „Ungeheuer“, die Depression des Vaters, die auch Michael später leider kennenlernen wird. Der Autor lässt jedes Familienmitglied auf eine nur ihm eigene Art vom Miteinander in der Familie, von Sommerurlauben, von Wohnsitzwechseln und der Suche nach dem Glück mit dem richtigen Partner erzählen. Der Kampf mit der Krankheit Michaels und die verzweifelten Versuche der Mutter und der Geschwister ihm zu helfen ist dabei ein zentrales Thema. John, Margret, Alec, Michael und Celia werden Vertraute des Lesers und am Ende ist man tief berührt von dieser familiären Tragödie und bleibt nachdenklich zurück.

Dieser Buchtipp stammt aus der Buchhandlung Ida v. Behr, Im Alten Dorfe 31, 22359 Volksdorf,
Tel.: 040 / 603 12 86, Fax: 040 / 603 83 43, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.buecher-behr.com

1801 Gundar Goshen

Ayelet Gundar-Goshen: Lügnerin,
Kein & Aber Verlag, 24 Euro,
ISBN: 978-3-0369-5766-1.

Die junge Autorin und studierte Psychologin Ayelet Gundar-Goshen hat in ihrem dritten Roman ein starkes Bild gezeichnet, was aus einer oder auch mehreren kleine Lügen entstehen kann. Nuphar Schalev arbeitet in den Sommerferien in einem Eiscafé als Verkäuferin. Sie ist nicht sonderlich schön, obwohl ihr Name Schönheit bedeutet. Sie ist eher unscheinbar, pummelig und kein Blick bleibt länger als notwendig an ihr hängen. Ganz im Gegensatz zu ihrer jüngeren, schöneren Schwester, die auch in der Wahrnehmung und Beachtung der Eltern einen höheren Stellenwert hat. Nuphar liebt ihre Schwester und sie genießt es, wenn sie eines ihrer Kleider zur Arbeit ausleihen darf und hofft, insgeheim Beachtung zu finden. Doch gerade an diesem Morgen verspätet sie sich und trifft auf einen übellaunigen Kunden, den verkannten Sänger Avischai Milner. Avischai ärgert sich über die unattraktive Bedienung und beleidigt sie zutiefst und aus einem Handgemenge entsteht plötzlich der Vorwurf, Avaschai hätte versucht, Nuphar zu vergewaltigen.

Plötzlich im Zentrum des öffentlichen Interesses schafft Nuphar es nicht, die Lüge aus dem Weg zu räumen. Der einzige Zeuge des Geschehens, der junge Lavie Maimon aus dem vierten Stock, findet Gefallen an Nuphar. Genau wie sie ist er ein unscheinbarer Jugendlicher, der den Ansprüchen seines gestandenen Vaters nie gerecht zu werden scheint. Er verliebt sich in Nuphar, aber er findet nur den Weg des erpresserischen Zugangs zu ihr. Der zarte Begin einer Liebe scheint in Gefahr und es stellt sich im Laufe der Handlung die Frage, ob beim Aufdecken der Wahrheit diese Liebe bestehen kann oder alles zerstört wird. Die Autorin hat im zweiten Teil des Romans auch die Geschichte von Raymonde mit eingeflochten, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Freundin stellvertretend deren Reise als Holocaustüberlebende nach Europa antritt. Dort wird sie Nuphar begegnen und auch hier wird sich alles in Lügen verstricken. Gundar-Goshen lässt die Grenzen zwischen richtig und falsch meisterhaft verschwinden. Ein literarischer Genuss!

Dieser Buchtipp stammt von Uta Birken aus der Buchhandlung Ida v. Behr, Im Alten Dorfe 31, 22359 Volksdorf
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1802 Attenberg

Jami Attenberg: Ehemänner ,
ISBN: 978-3-89561-204-6,
Schöffling Verlag, 24 Euro.

In dem Roman „Ehemänner“ von Jami Attenberg lernen wir Jarvis Miller kennen.
Sie lebt im hippen Stadtteil Williamsburg in New York. Sie ist wohlhabend, denn sie ist mit einem bekannten und erfolgreichen Künstler verheiratet.
Allerdings kann sie seit sechs Jahren nicht wirklich am wahren Leben Anteil haben, denn ihr Mann Martin liegt seit einem Sturz im Atelier im Koma und Jarvis ist in einem bewegungslosen Zwischenraum steckengeblieben. Es ist ein Zustand von hingebungsvoller Liebe zu ihrem Mann, den sie regelmäßig besucht, von Hoffnung auf Besserung und einer nicht vollziehbaren Trauer, denn ihr Mann ist ja noch nicht gestorben.
Als ihre Waschmaschine eines Tages streikt, trifft Jarvis in einem Waschsalon auf drei „Hausmänner“. Plötzlich beginnt sie zu ahnen, was das Leben ihr vielleicht noch versprechen könnte. Da ist zum einen der charmante Immobilienmakler Tony, dann der erfolglose Buchautor Mal und der liebevolle Familienvater Scott.
Gegen alle anderen Kräfte, die auf sie einwirken, versucht sie eine lebensverändernde Entscheidung zu treffen.
Es ist ein sehr schöner Roman der aus der Perspektive von Jarvis geschrieben ist und der tiefe Einblicke in das liebende und trauernde Herz einer noch jungen und lebenshungrigen Frau gibt.

Dieser Buchtipp stammt von Uta Birken aus der Buchhandlung Ida v. Behr, Im Alten Dorfe 31, 22359 Volksdorf
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1712 Leyshon

Nell Leyshon: Die Farbe von Milch
Eisele Verlag, 18,- Euro
ISBN: 978-3-96161-000-6

Dies ist das Buch von Mary. Sie schreibt es eigenhändig. Sie schreibt es im Jahre 1831. Und sie ist stolz darauf, es selber schreiben zu können. Mary ist erst 15 Jahre alt, als ihre Geschichte beginnt. Sie ist die jüngste von vier Schwestern, die mit ihren Eltern zusammen einen Bauernhof bewirtschaften. Es ist ein einfacher, dreckiger, ärmlicher Hof und es gibt von früh bis spät nur harte Arbeit und ein karges Leben. Der Vater führt ein hartes Regiment, wenn es sein muss auch mit Schlägen. Mary ist seit der Geburt gehbehindert und doch meistert sie die täglichen Pflichten. Ihre tiefgläubige Schwester Beatrice ist ihr oft eine Hilfe.
Der einzige Lichtblick für Mary ist der gelähmte Großvater, den sie scheinbar als einzige liebevoll versorgt, wann immer Zeit dafür übrig bleibt. Marys Leben ändert sich von Grund auf, als ihr Vater sie zum Pfarrer schickt, um dort im Haushalt zu helfen. Die Frau des Pfarrers ist krank und pflegebedürftig und die Eltern können das verdiente Geld dringend gebrauchen. Ein solches Haus mit den verschiedenen Zimmern und sogar Büchern hat Mary noch nie gesehen. Ein neues Leben erschließt sich ihr, obwohl sie dies eigentlich gar nicht sein möchte.
Durch die zarte und mitfühlende Pfarrersfrau erfährt Mary zum ersten Mal Wohlwollen und auch der Pfarrer gewährt ihr eine ungekannte Großzügigkeit. Er schenkt ihr ein Buch und beginnt ihr das Lesen beizubringen. Mary vermisst ihre Familie und besonders ihren Großvater, doch wann immer sie versucht zurückzukehren trifft sie auf Widerstände. Ihre Mutter scheint außerstande Liebe zu zeigen. Als die Frau des Pfarrers stirbt nimmt Marys Schicksal eine dramatische Wendung.
Die Autorin Nell Leyshon versteht es meisterhaft mit der Stimme von Mary ein Leben in bedrückenden Verhältnissen zu schildern. Sie gibt ihr eine scheinbar einfältige und doch sehr einfühlsame und ausdrucksstarke Stimme.

Dieser Buchtipp stammt von Uta Birken aus der Buchhandlung Ida v. Behr, Im Alten Dorfe 31, 22359 Volksdorf
Tel.: 040 / 603 12 86, Fax: 040 / 603 83 43, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.buecher-behr.com

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